11.09.2013, 15:55 Uhr

Esel helfen wilden Bienen

DUH und BUND besuchten heute die Eselherde der Dellbrücker Heide..

© Gabriele Falk
Heidegebiete, Trockenrasen, sonnendurchflutete Böschungen - früher gehörten sie zum Landschaftsbild in vielen Regionen Deutschlands. Heute sind sie weitgehend verschwunden und das hat fatale Folgen für die Tierwelt, zum Beispiel für viele Wildbienenarten. Denn durch den Rückgang der Biotope fehlt diesen Insekten zunehmend der Lebensraum.

Hilfe kommt jetzt von ehrenamtlichen Naturschützern des Bund für Umwelt- und Naturschutz e.V. (BUND) und einer Eselherde, die das natürliche Zuhause der gefährdeten Tiere wiederherstellen. Unterstützt werden sie dabei von der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH). Vertreter der DUH und des BUND besuchten heute in Köln das städtische Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide, um sich vor Ort ein konkretes Bild von den Naturschutzmaßnahmen zu machen.

Sandbienenkolonie
Sandbienenkolonie
© Holger Sticht
"In der Roten Liste Nordrhein-Westfalens werden viele Arten insbesondere trockener, offener Lebensräume wie Heidekraut-Sandbiene und Heidekraut-Seidenbiene als stark gefährdet eingestuft", sagte Ulrich Stöcker, Leiter des Bereichs Naturschutz der DUH. "Mit diesem Projekt wollen wir zeigen, dass Kommunen mit wenig Geld und viel ehrenamtlichem Engagement Gutes für die biologische Vielfalt und im Besonderen für diese Lebensräume, die früher von großen Pflanzenfressern offengehalten wurden, tun können."

Durch eine Diplomarbeit in 2011 konnten fast 80 Wildbienenarten in der Dellbrücker Heide festgestellt werden. Das Naturschutzgebiet stellt einen Rückzugsraum dar für zwei Arten, die zum Nisten auf unbewachsene Sandböden und als Pollenquelle auf große Heidekrautbestände angewiesen sind: Heidekraut-Seidenbiene und Heidekraut-Sandbiene. Die Diplomarbeit empfahl als Naturschutzmaßnahmen zusätzliche Entbuschungen sowie eine zusätzliche Beweidung u.a. mit Eseln. Mit Hilfe der DUH konnte dies verwirklicht werden.

Heidekraut-Sandbienen sammeln Nektar ausschließlich an Heidekraut
Heidekraut-Sandbienen sammeln Nektar ausschließlich an Heidekraut
© Holger Sticht
Im Winterhalbjahr konnten die ehrenamtlich Aktiven des BUND dank neuer Geräte verbuschte Heideflächen wieder freistellen und damit Platz für seltene Heidebewohner schaffen. Und jetzt im Sommer sorgen Esel auf vielfältige und natürliche Weise für Wildbienenlebensräume.

"Esel schaffen durch ihren Huftritt und Wälzen auf dem Rücken offene Sandflächen, die als Keimbetten des Heidekrauts und als Niststätten für die Bienen unverzichtbar sind", sagte Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW. Zudem wandert die Eselherde zwischen der Dellbrücker und der Wahner Heide, vernetzt damit die verschiedenen Gebiete des Naturraums Bergische Heideterrasse und trägt so zur Wiederausbreitung seltener Heidearten bei: Pflanzensamen werden im Fell und Darm transportiert, entlang der Triften entstehen halboffene Lebensräume, die bspw. Eidechsen und Heuschrecken als Wanderkorridore dienen.

Eselwälzen
Eselwälzen
© Holger Sticht
Seit 2009 betreut der BUND im Auftrag der Stadt Köln unentgeltlich den städtischen Gebietsanteil des Naturschutzgebiets. Die finanzielle Hilfe durch die DUH, die ihrerseits Mittel von der Telekom Deutschland für den gemeinsamen Naturschutzfonds "Lebendige Wälder" erhält, ist dabei eine große Hilfe für die Ehrenamtler und konnte bereits für den Schutz der gefährdeten Zauneidechse an gleicher Stelle genutzt werden.

Die Eselherde verlässt die Dellbrücker Heide nun erstmal wieder in Richtung Turmhof in der Wahner Heide, weil dort am kommenden Wochenende mehrere der beliebten Eselausritte für Kinder und Familien stattfinden. Wir freuen uns aber schon auf die Rückkehr im nächsten Jahr. 

TG