29.05.2018, 12:28 Uhr

Neue Bienenart in der Dellbrücker Heide

Die Gelbbindige Furchenbiene konnte erstmals festgestellt werden...

Gelbbindige Furchenbiene
Gelbbindige Furchenbiene
© Gabriele Falk
Seit einer Diplomarbeit über die Bienenfauna der Dellbrücker Heide im Jahr 2012 besteht ein guter Überblick über die Artenvielfalt dieser Insektengruppe. Nun ist die 73. Bienenart gefunden worden: die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae).

Diese Art gilt in NRW als ungefährdet, ist jedoch auf trockenwarme Lebensräume angewiesen und daher bisher v.a. in den südlichen Landesteilen verbreitet gewesen. Sie ist polylektisch, d.h. hinsichtlich Nahrung und Nestproviant unspezialisert und kann diverse Korbblütler und Kardengewächse nutzen. Allerdings braucht sie zur Nestanlage sonnenexponierte und damit warme, vegetationsarme Sand- oder Lehmböden.

Strukturreicher, offener Lebensraum u.a. mit unbewachsenen Standorten ist überlebensnotwendig für die alllermeisten Bienenarten
Strukturreicher, offener Lebensraum u.a. mit unbewachsenen Standorten ist überlebensnotwendig für die alllermeisten Bienenarten
© Holger Sticht
Ungewöhnlich für eine Wildbiene ist ihre soziale Nistweise: Begattete Weibchen überwintern zusammen in ihrem Geburtsnest. Im Frühjahr (Mai) legt nur eines der Weibchen, die "Königin", Eier und bewacht den Nesteingang, während die anderen als "Hilfsweibchen" die Brut versorgen ("polygyne Nestgründung"). Noch vor dem Schlüpfen ihrer Arbeiterinnen vertreibt die Königin die Hilfsweibchen, die nun eigene Nester gründen, indem sie selbst Gänge graben oder die Nester anderer Arten nutzen; dabei können sie schon verproviantierte Zellen übernehmen und die Nesteigentümerin sogar töten (Parasitismus).

Etwa 60 % der ursprünglich 360 Bienenarten Nordrhein-Westfalens sind bereits gefährdet oder sogar ausgestorben. Grund hierfür ist der Flächenverbrauch (10 ha pro Tag in NRW!) für Verkehr, Wohnungsbau und Gewerbegebiete sowie die Lebensraumverschlechterung durch den Einsatz von Pestiziden, eine monotonisierende und intensive Grünflächenpflege und -anlage, Stickstoffdepositionen (u.a. aus Verbrennungsmotoren und Kohlekraftwerken) und das Fehlen extensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Ohne die Naturschutzmaßnahmen des BUND und der Stadt Köln wie Entbuschung und Rücknahme von Bäumen wäre auch in der Dellbrücker Heide von den derzeit 73 bekannten Arten nur noch ein kleiner Bruchteil existent. Ein spezielles Problem bleibt hier die Nährstoffüberfrachtung durch Hundekot, durch welche Bienenniststätten in kurzer Zeit entwertet werden können.

HS