12.12.2010, 23:12 Uhr

Von 1992 bis heute

Der steinige Weg zum Naturschutzgebiet

ehemaliges Möbellager nach Abriss 2009
ehemaliges Möbellager nach Abriss 2009
© BUND
BUND und RBN hatten bereits seit Bekanntwerden des belgischen Abzugs auf die Größe ökologische Bedeutung der Dellbrüker Heide hingewiesen. Mehrere in Auftrag gegebene Gutachten belegten die Naturschutzwürdigkeit in den Folgejahren.

Dennoch wollten städtische Vertreter nach Abzug der belgischen Armee im Jahr 1992 die Fläche der Dellbrücker Heide mit Wohn- und Gewerbegebieten bebauen. Auch eine autofreie Siedlung war zeitweise geplant und u.a. durch eine örtliche Bürgerinitiative verhindert.

In der Zwischenzeit eigneten sich die Anwohner das bis dahin unzugängliche Gelände an. Der Zaun bekam immer mehr Löcher. Als Hundeauslauf, zusätzliche Bademöglichkeit zum benachbarten Höhenfelder See, Abenteuerspielplatz für Kinder und Jugendliche und natürlich zum Spazierengehen wurde und wird die Heide gern genutzt. In den leerstehenden Hallen quartierten sich Obdachlose ein.

Die von den Belgiern gehölzfrei gehaltenen Heideflächen verbuschten mehr und mehr. An vielen Stellen wuchsen Pionierbäume wie Sandbirke und Späte Traubenkirsche. Der Heidecharakter mit seinen sehr spezialisierten Tier- und Pflanzengesellschaften drohte dadurch verloren zu gehen. 

Seit 2004 gibt es einen städtischen Pflege- und Entwicklungsplan für die Dellbrücker Heide, die Bebauungspläne wurden wegen der ökologischen Bedeutung verworfen. Seit 2009 steht die gesamte Fläche des ehemaligen Militärgeländes nördlich der Bahntrasse unter Naturschutz.

Ruderalflur am ehemaligen Möbellager
Ruderalflur am ehemaligen Möbellager
© BUND
Die alten Hallen sind mittlerweile abgerissen, der größte Teil der Betonflächen und -wege soll u.U. schon im Winter 2010/11 aufgebrochen werden. Das Wegekonzept wird von der Stadt Köln und dem BUND Stück für Stück umgesetzt und fortentwickelt.

Für die Anwohner bedeutet die Ausweisung als Naturschutzgebiet im Vergleich zu den Jahren davor einige Einschränkungen: Badeverbot und Anleinpflicht für Hunde bestanden auch zuvor, werden aber erst jetzt kontrolliert. Andererseits sollte man sich vor Augen führen, dass hier ohne das Naturschutzgebiet nur wieder ein Neubaugebiet stünde - und kann zum Schwimmen auf den Höhenfelder See ausweichen. Und vor allem wurde - zumindest die naturschutzkonforme - Erholungsnutzung legalisiert, das Betreten ist nun überhaupt erst offiziell möglich.


KK