08.01.2015, 10:57 Uhr

Wildbienen: 80 Arten in der Dellbrücker Heide nachgewiesen

Rund ein Viertel der in der Dellbrücker Heide lebenden Wildbienenarten ist gefährdet...

In der Dellbrücker Heide sind mittlerweile über 80 Wildbienenarten, also etwa ein Viertel aller in NRW heimischen Arten nachgewiesen. Rund 25% der in der Dellbrücker Heide lebenden Arten werden von Fachleuten als gefährdet eingeordnet.

Der Grund dafür ist, dass die meisten dieser Bienenarten auf extensiv genutzte, trocken-warme Offenland-Lebensräume, also zum Beispiel Magerrasen oder Calluna-Heiden angewiesen sind. Andere benötigen außerdem bestimmte Strukturen wie Steilwände, um erfolgreich nisten zu können oder sind an bestimmte, seltene Pflanzen als Nahrungsquelle gebunden. Derart beschaffene Lebensräume existieren aber in Deutschland nur noch vereinzelt, denn ihre Erhaltung erfordert Pflegemaßnahmen wie Beweidung, Mahd und Entbuschung.

In der Dellbrücker Heide sind solche Lebensräume bis heute erhalten geblieben oder wurden sogar erst durch die menschlichen Aktivitäten, beispielsweise den Kiesabbau geschaffen.

So kommt es, dass in der Dellbrücker Heide sogenannte Reliktpopulationen, also letzte Bestände einst weit verbreiteter Wildbienenarten vorkommen.

 Zu diesen gehören unter anderem folgende Arten (RL NRW=Rote Liste Nordrhein-Westfalen, NRB=Niederrheinische Bucht):

Colletes succinctus
Colletes succinctus
© Rick Ermelo, CC BY 3.0*
- Die Heide-Seidenbiene (Colletes succinctus) und die Heide-Sandbiene (Andrena fuscipes)(beide RL NRW 2, RL NRB 2): Beide Arten sind an die Besenheide (Calluna vulgaris) als Nahrungsquelle gebunden und deshalb in ihren Vorkommen auf Heidegebiete beschränkt.

- Die Kreuztragende Filzbiene (Epeolus cruciger) (RL NRW1, RL NRB 0). Als Kuckucksbiene von Colletes succinctus an Vorkommen des Wirtes gebunden. Von dieser Art gibt es in der Niederrheinischen Bucht seit dem Jahr 2000 zwei Nachweise, einen aus der Wahner Heide im Jahr 2000 und zwei aus der Dellbrücker Heide im Jahr 2011.

- Die Schmalbienenart Lasioglossum limbellum (RL NRW 1, RL NRB 1) ist an Steilwände als Brutplatz gebunden gebunden. Die allgemein seltene Art ist in NRW und der Niederrheinischen Bucht akut vom Aussterben bedroht.

 - Die Maskenbienenart Hylaeus variegatus (RL NRW 1, RL NRB 1) ist eine äußerst wärmeliebende Art. Durch den Rückgang trocken-warmer Offenlandlebensräume ist die Art stark im Bestand gefährdet.

- Die Maskenbienenart Hylaeus angustatus (RLNRW R, RL NRB R) nistet in abgestorbenen Trieben markhaltiger Pflanzen. Die Art gilt als extrem selten. 

- Die Wollbienenart Anthidium oblongatum (RL NRW 2, RL NRB 1)  ist eine weitere wärmeliebende Art und durch den allgemeinen Rückgang trocken-warmer Lebensräume in der Niederrheinischen Bucht akut vom Aussterben
bedroht.

Halictus confusus
Halictus confusus
© Sam Droege, CC BY 2.0**
- Die Furchenbienenart Halictus confusus (RL NRW 2, RL NRB 2) ist an offfene, blütenreiche Sandgebiete gebunden. Durch deren Rückgang ist die Art stark im Bestand gefährdet.

Aufgrund der kleinen Fläche der Dellbrücker Heide und ihrer isolierten Lage im stark zersiedelten Umland ist die hohe Anzahl an Bienenarten und die Häufigkeit spezialisierter Arten ein weiterer Beweis für die herausragende Bedeutung und die Schutzwürdigkeit der Dellbrücker Heide als qualitativ hochwertigem Lebensraum für Wildbienen und andere Organismen.


*Bildlizenz hier  **Bildlizenz hier

JW