08.07.2026, 12:09 Uhr

Botanisches Dauermonitoring in der Dellbrücker Heide

Ehemaliger Praktikant und Bachelor-Absolvent initiiert Untersuchung...Mitmachende willkommen..

Dauermonitoringsquadrat
Dauermonitoringsquadrat
© Holger Sticht
Als Utz im Sommer 2025 begann, seine Bachelorarbeit zu schreiben, wandte er sich an BUND-Kreisgruppe Köln, um Informationen zu erhalten. Anschließend absolvierte er ein Praktikum beim BUND und leistete Biotoppflege in den Schutzgebieten, die von der Kreisgruppe betreut werden. Es fiel ihm auf, dass bestimmte Bereiche artenreicher waren als andere. Um zu untersuchen, warum das so ist, hat Utz – der heute im Naturschutz an der Biologischen Station in Düren arbeitet – ein botanisches Dauermonitoring-Projekt in Zusammenarbeit mit den BUND Köln-Projektleitern in der Dellbrücker Heide ins Leben gerufen. 

In diesem Interview beantwortet er einige Fragen zum Projekt.

Warum ein quantitatives Dauermonitoring auf der Dellbrücker Heide?

Bislang wurde die Flora der Dellbrücker Heide weitestgehend qualitativ erfasst – das heißt, bei Begehungen wird das Vorkommen beobachteter Arten notiert und in einer Liste zusammengefasst. Obwohl diese Liste die Erfolge des BUND in der Dellbrücker Heide widerspiegeln kann – da regelmäßig neue Arten, darunter auch gefährdete, (wieder-)entdeckt und in die Liste aufgenommen werden –, sind wir übereingekommen, dass es aus verschiedenen Gründen sinnvoll wäre, zusätzlich „quantitative“ Dauermonitoringquadrate anzulegen. Nur quantitative und räumlich vergleichbare Daten erlauben stichhaltige Aussagen über die Biodiversität.

Was bedeutet „quantitative Dauermonitoringquadrate“? 

Damit sind quadratische Flächen von 16 Quadratmeter gemeint, auf denen genau an der gleichen Stelle in Intervallen ─ beispielsweise jährlich oder alle zwei Jahre ─ nicht nur alle dort vorkommenden Arten erfasst werden, sondern auch, wie viel Prozent dieser Flächen von den jeweiligen Arten eingenommen wird. Daneben werden auch Informationen zur Vegetationsstruktur vermerkt, also z. B. wie stark die Fläche verbuscht ist und wie diese Fläche zuvor bearbeitet wurde.

Warum wäre das so wichtig? 

Nur „quantitative“ und räumlich vergleichbare Daten erlauben stichhaltige Aussagen über die Biodiversität. In unserem Falle ist aber die Artenvielfalt in einem Habitat oder Ökosystem ─ die sogenannte Alpha-Diversität ─ von zentraler Bedeutung, die ihrerseits durch unzählige Erfassungsmethoden  oder „Metriken“ beschrieben werden kann.

Was für Erfassungsmethoden benutzt Du?

Die Species-Richness ist die einfachste Erfassungsmethode der Alpha-Biodiversität und beschreibt wahrscheinlich das, woran die meisten Menschen bei dem Begriff „biologische Vielfalt“ denken: die Anzahl der Arten in einem bestimmten Raum. Dabei gilt: Je höher der pflanzliche Artenreichtum, desto höher auch die Anzahl der pflanzenfressenden Tierarten. Es ist dabei von Bedeutung, welche Fläche von den Pflanzenarten in einem bestimmten Raum eingenommen wird, also wie dominant die einzelnen Pflanzen vorliegen. Hier gilt: Je ausgewogener die räumliche Verteilung aller Pflanzenarten in einem bestimmten Raum, desto diverser. 

Wie groß müssen die Quadrate eigentlich sein?

Botaniker*innen suchen vor der eigentlichen Aufnahme eine Erhebungsgröße, die noch groß genug ist, um noch möglichst genau den Artenreichtum eines Ökosystems abzubilden, aber gleichzeitig so klein ausfällt, dass der (Zeit-) Aufwand der Erhebungen unter möglichst geringem Informationsverlust minimiert werden kann. Diese Größe wird durch Forschende über sogenannte Art-Areal-Kurven ermittelt.

Warum machst Du das überhaupt?

Ich persönlich bin schon immer fasziniert gewesen von der biologischen Vielfalt mit all ihren Facetten. Die Dellbrücker Heide ist dabei ein wahres Naturparadies; sie gilt nach Aussagen der Kreisgruppe und im Verhältnis zur Größe des Schutzgebietes als eines der Schutzgebiete mit einem sehr hohen pflanzlichen Artenreichtum und beherbergt zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die andernorts sehr selten geworden sind und zum Teil auf der Roten Liste stehen. Letzten Endes ist es mein Ziel, durch die wissenschaftliche Erfassung der Vegetation dazu beizutragen, dass der schützenswerte Artenreichtum der Dellbrücker Heide möglichst effektiv erhalten bleiben kann. Genauso wichtig ist es mir aber auch, mich mit Menschen zu vernetzen, die interessiert daran sind, sich gemeinsam eine botanische Artenkenntnis anzueignen. Ich möchte dabei eine angenehme Lernumgebung etablieren, in der Unwissenheit nicht verurteilt, sondern als Ansatz zur Recherche und Wissensvermittlung verstanden wird. 

Was hält die Zukunft für das Dauermonitoring bereit?

Die bisher angelegten Dauerquadrate konzentrieren sich ausschließlich auf den östlichen Teil der Dellbrücker Heide. Dies liegt vor allem daran, dass dort bereits eine vergleichsweise gute Datengrundlage geschaffen werden konnte und somit geeignete Ausgangsdaten für ein Dauermonitoring vorhanden sind. Langfristig wäre es jedoch sinnvoll, die Dauerquadrate auf weitere Bereiche der Dellbrücker Heide auszuweiten. Dies könnte nicht nur zum besseren Verständnis der lokalen Biodiversität beitragen, sondern perspektivisch auch naturschutzfachlich relevante Entwicklungen frühzeitig sichtbar machen und somit zum Schutz des Gebietes beitragen. Wenn sich im Dauermonitoring noch mehr freiwillige Kartierer*innen finden lassen würden und über Jahre ein ausreichender Grundstock an Daten vorliegen würde, könnte dies außerdem eine solide Grundlage für universitäre Abschlussarbeiten oder wissenschaftliche Studien darstellen.

Suchst du noch Unterstützung bei dem Dauermonitoring-Projekt?

Absolut. Wer also Lust hätte, sich an den Erhebungen des nächsten Jahres zu beteiligen, kann sich gerne bei mir melden, unabhängig vom bisherigen Wissensstand, unter utz.wittenberg(at)gmx.de.