30.11.2018, 17:23 Uhr

Der Besenginster

Fragen und Antworten zu der beliebten Heidepflanze...Warum wird Ginster bei der Entbuschung entnommen? Ist Heide nicht unnatürlich?

Ginsterblüte in der Dellbrücker Heide Mitte Mai
Ginsterblüte in der Dellbrücker Heide Mitte Mai
© Bündnis Heideterrasse
Der Ginster ist doch eine typische Heidepflanze. Warum werden in diesem Winter so viele entfernt?

Der bis zu 2 Meter hoch werdende Besenginster (Cytisus scoparius) - der nicht zur Gattung "Ginster" zählt und eigentlich "Besenbinder-Geißklee" heißen müsste - ist in Heidelebensräumen in der Tat typisch. Er spielt auch eine große Rolle als Futterpflanze für zahlreiche spezialisierte Schmetterlingsarten. Deswegen wird er natürlich auch in großer Zahl erhalten. Allerdings ist er sehr konkurrenzstark: er verdrängt in wenigen Jahren die streng geschützte und gefährdete Pflanzengesellschaft Sandginsterheide (Genisto pilosae-Callunetum), zu der neben dem Heidekraut auch der bundesweit gefährdete Haarginster (Genista pilosa) zählt.

Im Vordergrund rechts Besenginster, dahinter, nur 30 cm hoch werdend der Haarginster
Im Vordergrund rechts Besenginster, dahinter, nur 30 cm hoch werdend der Haarginster
© Bündnis Heideterrasse
Deswegen ist es wichtig, partiell immer wieder Raum für die Sandginsterheide zu gewinnen. Übrigens auch für den Besenginster selbst. Denn er wird höchstens 12 Jahre alt, und die neue Generation kann von allein nicht dort keimen, wo zuvor einer stand. Das tun dann stattdessen diverse Baumarten, v.a. die problematische Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) aus Nordamerika. Als Rohbodenpionier benötigt auch der Besenginster Boden ohne Bewuchs und Humus - so wie bspw. das Heidekraut. Und genau diese Rohböden schafft der BUND immer wieder partiell mit seinen Maßnahmen.

Ist die Heide nicht unnatürlich und muss man deswegen nicht das Verschwinden des Ginsters und anderer Heidearten hinnehmen?

Was heute ohne direktes Zutun des Menschen geschieht ist nicht zwangsläufig auch natürlich. Der Mensch hat zahlreiche Arten aus anderen Kontinenten eingeführt, überdüngt die Landschaft künstlich mit Verbrennungsrückständen aus Verkehr und Industrie, verhindert aktiv natürliche dynamische Prozesse wie bspw. Brände und Hochwässer und hat die natürlichen Gegenspieler der Bäume, Pferde, Rinder und Hirsche, weitgehend ausgerottet. Um die natürliche Vielfalt zu bewahren ist es entscheidend, natürliche dynamische Prozesse nachzuahmen. Sonst würden etwa 80 % der Arten der Dellbrücker Heide und alle, die hier derzeit auf der Roten Liste stehen, aussterben.

Oft schlägt der Besenginster nach dem Rückschnitt wieder aus und lebt dann insgesamt länger
Oft schlägt der Besenginster nach dem Rückschnitt wieder aus und lebt dann insgesamt länger
© Bündnis Heideterrasse
Heiden, die in der Tat aus der traditionellen Landwirtschaft hervorgegangen waren und damit nicht natürlich sind, sind wesentliche Ersatzlebensräume für Arten der ursprünglichen Landschaft, die eben nicht immer und überall bewaldet war bzw. heute wäre. Daher ist es auch sinnvoll, dass das Naturschutzrecht ursprünglich natürliche Lebensräume ebenso schützt wie Kulturlandschaftshabitate.   

Woher kommt der Name Besenginster?

Der Besenginster war neben Sandbirke und Heidekraut der Rohstoff, aus dem die Besenbinder früher die traditionellen Reisigbesen herstellten. Daher auch der Artname "scoparius", womit im Lateinischen diejenigen bezeichnet wurden, die Besen ("scopae") einsetzten und ggf. auch herstellten. Auch die Besenbinder haben den Ginster nur im Winter geerntet, weil er dann kaum Wasser enthält und damit auch nach dem Trocknen flexibel bleibt. Und auch sie haben damit dazu beigetragen, dass immer alle Generationen von Ginster präsent und in jedem Mai die prachtvolle Blüte zu erleben war. 

Erdhummel an Besenginster
Erdhummel an Besenginster
© BUND
Ist der Besenginster auch vom Insektensterben betroffen?

Ja, denn der Besenginster ist zur Vermehrung auf Fluginsekten angewiesen. Entscheidend sind große Hummelarten als "Türöffner": erst wenn sie eine Blüte besucht und den Bestäubungsmechanismus ausgelöst haben, kommen auch kleinere Bienen, Schwebfliegen oder Käfer an den Pollen. Dank der vielen v.a. unbewaldeten Lebensräume kommen in der Dellbrücker Heide noch sehr viele verschiedene Fluginsekten in großer Zahl vor. Außerhalb sieht es derzeit leider zunehmend schlechter aus. 

HS