Dellbrücker Heide
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29.04.2018, 17:27 Uhr

Naturschätze des Dünnwalds

Eine Sonntags-Exkursion zu geschützten Biotoptypen und Reliktstandorten von Bruchwald und Heide.

Heidereliktstandort mit aufkommender Sukzession
© BUND RBK
Die Exkursion ging mit einer kleinen Gruppe unter der fachkundigen Führung von Herrn Sticht vom Bündnis Heideterrasse in den Wald nördlich der Siedlung Dünnwald. Dieses Gebiet ist in alten Karten als Heide ausgewiesen. Heute ist es aufgrund von Aufforstungen, die zunächst mit Kiefern, später auch mit Buchen und anderen Laubbäumen erfolgten, bewaldet. Man trifft hier im Boden auf Sande, aber auch die darunter liegenden Rheinkiese - letztere wurden in den nahen Kiesgruben abgebaut. Der Name Dünnwald leitet sich vermutlich von den Binnendünen der Heideterrasse ab. Das Geländerelief ist abwechslungsreich: trockene Dünenkuppen ragen aus staunassen Tiefen, die u.a. von Katterbach und Hoppersheider Bach durchflossen werden.

Nasslebensräume am Katterbach kurz vor dem Versickerungsbereich
© BUND RBK
In der Vergangenheit wurden diese Feuchtlebensräume jedoch in weiten Teilen trocken gelegt. Herr Sticht erläuterte, dass es aus der Sicht des Naturschutzes wünschenswert wäre, den Bruch- und Auwald wieder flächig herzustellen. Dafür müssten die zahlreichen Entwässerungsgräben verschlossen und die derzeit teilweise kanalisierten und nicht immer durch die potentielle Aue fliessenden Bäche so renaturiert werden, dass eine Wiedervernässung des ehemaligen Bruch- und Auwaldes erfolgen kann. Derzeit fliessen die Bäche streckenweise sogar in einem künstlichen Bett oberhalb des tiefsten Geländepunktes, der den natürlichen Entwässerungsweg vorgeben würde. Darauf wurde bei dem Spaziergang entlang eines Abschnitts des Hoppersheider Bachs hingewiesen. Trotz langer Störung zeigt die Vegetation noch viel Restpotential: Faulbäume (Rhamnus frangula), Sumpfdotterblumen (Caltha palustris), Heidelbeeren (Vaccinium spec., die auch als Sumpfkirsche bezeichnete Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) und der Rippenfarn (Blechnum spicant) sind nur einige der vielen Arten, die in zumeist nur noch reliktären Vorkommen auf eine Wiederherstellung und Vernetzung des Lebensraumes warten.

Hunds-Veilchen am Heidereliktstandort
© BUND RBK
Auf die andere Seite der Feuchtigkeitsskala stehen die typischen Heidepflanzen der sandig-trockenen Lebensräume. Am Rand des Sportplatzes überraschten uns kleine Bestände mit Besenheide (Calluna vulgaris), Hunds-Veilchen (Viola canina), Silber-Fingerkraut (Potentilla argentea), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), und vielen anderen Arten. Hier hat die Heide einen Reliktstandort. Nutzungen durch den Sportverein haben den kleinräumigen Bestand bislang ebenso erhalten, wie die Wühltätigkeit der Wildschweine. In diesem faszinierenden, kleinen Lebensraum sind Dornschrecken, Jagdspinnen und Wildbienen noch genauso beheimatet wie die Sandlaufkäfer, deren Larven in Gängen auf Beute lauern. Von diesem Trockenstandort aus könnte eine Wiederherstellung der Heide erfolgen. Hierfür müssten allerdings die Dünenkuppen wieder von Bäumen wie den standortsfremden Fichten freigestellt werden. Prioritär erscheint aber die Sicherung des Bestandes. Die bereits sichtbare Sukzession aus Kiefern, Birken und diversen Sträuchern würde bald zu einer Verschattung des Lebensraums führen.

Noch ist ein natürliches Artenpotential in Reliktstandorten vorhanden. Eine Revitalisierung aus dem Bestand des regionalen und lokalen Genpools ist sowohl für trockenheits- als auch für nässeliebende Arten noch möglich. Kurz: Eine gelungene Exkursion zu den im Wald verborgenen Naturschätzen, die nicht nur mit Bedacht erhalten, sondern vermehrt werden sollten.

PK