25.11.2015, 16:47 Uhr

Saftlinge der Dellbrücker Heide

Zwischenstand zur BUND-Untersuchung über die als Indikator bedeutsame Pilzgattung...

Von Matthias Schwarz 

Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica)
Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica)
© Matthias Schwarz
Die meisten Pilze aus der Gattung Hygrocybe (zu deutsch "Saftlinge") - die Funga Nordica nennt 48 Arten für die nördlichen Länder, aus NRW sind derzeit 34 Arten bekannt - sind eng an mageres, altes Grasland gebunden. Aus diesem Grund werden die Saftlinge im Naturschutz auch als Indikatoren für den Zustand dieser Lebensräume herangezogen. Magere, also nährstoffarme Rasen, Wiesen und Weiden sind heute u.a. aufgrund des unnatürlich hohen Stickstoffeintrags aus Landwirtschaft, Haushalten und Industrie stark zurückgehende und gefährdete Lebensräume. Sämtliche Saftlinge stehen unter Naturschutz, dürfen also nicht gesammelt oder beschädigt werden. Auch im Rahmen der BUND-Untersuchung wurden und werden keine Pilzkörper entnommen, sondern am Standort bestimmt.

weißer Ellerling (Hygrocybe virginea)
weißer Ellerling (Hygrocybe virginea)
© Matthias Schwarz
Rald hat 1985 für Dänemark erstmals ein System entwickelt, das die Anzahl der Hygrocybe-Arten mit der Qualität des Graslandes in Beziehung setzt. Ruthsatz & Boertmann haben diesen Ansatz aufgegriffen und im Herbst 2010 165 Mähwiesen im Raum Trier untersucht. Dabei wurden insgesamt 26 Arten gefunden. Auf einer Wiese wurde die Höchstzahl von 10 Arten gefunden, auf 41 Wiesen wuchs lediglich eine Art.

In der Dellbrücker-Heide konnten bisher fünf Hygrocybe-Arten festgestellt werden (conica, cantharellus, coccinea, virginea und miniata). Der auch in populären Pilzbüchern häufig aufgeführte Kirschrote Saftling (H. coccinea) wird in der Roten Liste Nordrhein-Westfalens als gefährdet geführt, der Pfifferlings-Saftling (H. cantharellus) als stark gefährdet. Da die Fruchtkörper der Pilze nur in relativ kurzen Zeitfenstern erscheinen, ist davon auszugehen, dass noch weitere Hygrocybe-Arten aufgefunden werden können.

Saftlingslebensraum
Saftlingslebensraum
© Matthias Schwarz
Nach Ruthsatz & Boertmann kann dieses Zwischenergebnis als gut bezeichnet werden. Die beiden Autoren fanden auf 35 Wiesen fünf und mehr Arten. Das entspricht einem Anteil von 21 Prozent der untersuchten Grasflächen. Das heißt, knapp 80 Prozent der untersuchten Grasflächen wiesen weniger Arten auf. Legt man diese Daten zugrunde, dann gehört das untersuchte Grasland der Dellbrücker Heide eindeutig zu den wenigen artenreichen Grasflächen in NRW.

In den nächsten Jahren soll das Monitoring fortgesetzt werden, um die Entwicklung der gefährdeten Sandmagerrasen beobachten zu können.  

TG