21.06.2011, 21:06 Uhr

Tümpel für die Kreuzkröte

Am Ufer des Kiesgrubensees der Dellbrücker Heide stellt der BUND regelmäßig kleine Temporärgewässer wieder her

Aktive des BUND buddeln für die Kreuzkröte: Am Ufer des Kiesgrubensees wurden neue Tümpel angelegt. Denn die Kreuzkröte laicht leider nicht - wie die häufige und nah verwandte Erdkröte -  im großen See, sondern nur in kleinen Gewässern, die irgendwann austrocknen.

Die Kreuzkröte (Bufo calamita) gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten und EU-weit zu den streng geschützten Amphibienarten. Denn ihr Lebensraum ist ebenso gefährdet: unbewaldete, offene Lebensräume mit phasenweise Wasser führenden Kleingewässern. In der Natur entstehen fast jedes Jahr aufs Neue kleine, nur zeitweise bestehende und daher vegetationsfreie "Temporärgewässer" nach Hochwasserereignissen, im Bereich von Suhlen und Tränken großer Tiere wie Auerochsen, im Einzugsgebiet eines Biberstaudamms. Diese natürlichen Einflüsse haben wir nicht mehr, die Kreuzkröte musste und konnte glücklicherweise auf Ersatzlebensräume wie Kiesgruben ausweichen. Aber auch hier ist sie wieder gefährdet, denn sie stirbt unweigerlich aus, wenn diese dynamischen Einflüsse nicht nachgestellt werden.

Oberhalb der Tümpel waren im Winter bewaldete Sandmagerrasen durch Entnahme der Bäume wiederhergestellt worden, damit die Ufer der Sonne in stärkerem Masse ausgesetzt sind. Je mehr Sonne desto schneller wachsen die Kaulquappen, die Larven der Kreuzkröte. Schöner Nebeneffekt: schon dieses Jahr blühen dort wieder einzelne Berg-Sandglöckchen (Jasione montana), ebenfalls eine Art der Roten Listen.

Der hohe Grundwasserstand in 2011 bedingt, dass die Tümpel der letzten 15 Jahre immer noch, und das nun bereits das gesamte Jahr, überflutet sind. So hatten sich die Aktiven dazu entschlossen, etwas oberhalb des bisherigen Niveaus neue Tümpel anzulegen. Denn die Kreuzkrötenpopulation ist sehr klein. Ein Jahr wie dieses, in dem sie sich nicht fortpflanzen können, könnte zum Austerben führen.

Andere Uferbereiche, die Laichplätze bieten könnten, werden derart häufig von Badegästen genutzt, dass es hier keine Überlebenschance gibt. Weder für das erwachsene Tier noch für den Laich.

Werden die Tümpelbereiche nicht betreten, gibt es noch eine gute Chance auf Nachwuchs, denn Kreuzkröten laichen mehrfach im Jahr. Andere, ähnlich spezialisierte und gefährdete Arten wie die Kleine Pechlbelle profitieren ebenfalls von neu oder wieder entstandenen kleinen Tümpeln.

GF