06.02.2022, 00:10 Uhr

Warum werden im Naturschutzgebiet Bäume gefällt?

Antworten auf Fragen, die uns immer wieder zu Recht gestellt werden...

Kettensägeneinsatz im Naturschutzgebiet
Kettensägeneinsatz im Naturschutzgebiet
© BUND Köln
Warum wurden im Naturschutzgebiet in diesem Winter wieder Bäume gefällt?

Dellbrücker Heide und Wahner Heide wurden als Naturschutzgebiete ausgewiesen, weil sie eine überregionale Bedeutung für Tier-, Pilz- und Pflanzenarten haben, die nur in unbewaldeten Lebensräumen leben können. Beispiele sind der Haarginster, die Blauflügelige Ödlandschrecke, der Schachbrettfalter oder die etwa fünf Sechstel der wilden Bienenarten. Fast alle der aktuell 120 bekannten Arten der Roten Listen im Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide werden durch Bäume verdrängt. Daher sieht der Pflege- und Entwicklungsplan Dellbrücker Heide vor, dass etwa zwei Drittel des Naturschutzgebiets für unbewaldete Lebensräume entwickelt und vorgehalten werden sollen. Etwa ein Drittel bleibt unbehelligt, obwohl es früher auch Heide gewesen ist. Auch innerhalb der Heideflächen bleiben viele Bäume und Baumgruppen sich selbst überlassen.

Warum hat die Feuerwehr Bäume gefällt?

Die Freiwillige Feuerwehr Strunden aus Dellbrück kooperiert mit dem BUND Köln. Laut Pflege- und Entwicklungsplan Dellbrücker Heide sollen bestimmte Bereiche aus Naturschutzgründen offen gehalten werden. Die Feuerwehr muss den Einsatz mit der Motorsäge regelmäßig üben, damit die Feuerwehrmänner und -frauen auf den Notfall gut vorbereitet sind. Aus diesen Gründen hat man sich innerhalb des Stadtteils zusammen getan. Sowohl BUND als auch Feuerwehr leisten ihre Arbeit ehrenamtlich in ihrer Freizeit.

Sind unbewaldete Lebensräume nicht unnatürlich?

Wir kennen heute fast nur noch unnatürliche offene Lebensräume wie Heiden oder Sandtrockenrasen, weil wir die natürlichen zerstört haben und ihre Entwicklung dauerhaft unterbunden haben. Wir haben bspw. den Rhein und seine Überflutungsgebiete komplett verbaut, wo ursprünglich jedes Jahr aufs Neue große unbewaldete Flächen entstanden sind und z.B. durch die große Huftierherden, die unsere Vorfahren ausgerottet haben, über längere Zeiträume erhalten geblieben sind. Die heutigen Heidegebiete sind insbesondere seit dem Mittelalter durch traditionelle Landwirtschaft entstanden. An diese Ersatzlebensräume konnte sich ein Teil der ursprünglichen Vielfalt anpassen. Die Vielfalt dieser Ersatzlebensräume ist also eigentlich ursprünglich, auch wenn sie aussterben würde - immerhin ungefähr drei Viertel der heimischen Vielfalt! - , wenn wir die Kulturlandschaft heute sich selbst überlassen würden. Daher schützt die EU-Naturschutzrichtlinie selbstständig entstehende Lebensräume genauso wie bestimmte Kulturlandschaftshabitate.

Alte Bäume dürfen im Naturschutzgebiet uralt werden
Alte Bäume dürfen im Naturschutzgebiet uralt werden
© BUND Köln

Aber sind Bäume nicht wichtig für den Klimaschutz?

Ja. Aber genauso wichtig ist das Bewahren der Vielfalt der Ökosysteme, die wiederum von der Vielfalt ihrer Arten abhängt. Denn wir leben nicht nur im Zeitalter der Klimakrise, sondern auch im Zeitalter des Artensterbens: im sechsten Massensterben der Erdgeschichte, diesmal allerdings allein Menschen gemacht. Da auch der Mensch von den vielfältigen Ökosystemleistungen abhängig ist, macht es Sinn, die natürliche Vielfalt zu bewahren. Und die Klimakrise bewältigen wir nicht durch irgendwelche Ablasshandel, sondern nur durch den schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern! Zudem können wir viermal mehr CO2 und zusätzlich das höchst problematische Methan binden, wenn wir ursprüngliche Senken wiederherstellen, die wir durch Entwässerung zerstört haben. Das sind v.a. Moore, Sümpfe und Auen. Dort gibt es auch Bäume, aber die allein sind nicht entscheidend. Daher besteht die wesentliche Aufgabe in der Wiedervernässung.

Totholz ist entscheidend für die Artenvielfalt, fehlt aber in angelegten Baumbeständen und heutigen Wirtschaftsforsten weitgehend
Totholz ist entscheidend für die Artenvielfalt, fehlt aber in angelegten Baumbeständen und heutigen Wirtschaftsforsten weitgehend
© BUND Köln

Geht das Holz nach China, so wie die meisten Bäume, die bspw. im Königsforst in den letzten Jahren gefällt wurden?

Nein, nach China geht tatsächlich nichts. Der größte Teil des Holzes bleibt in der Fläche. Das kann man an den Holzstapeln und Reisighecken gut erkennen. Daher bleibt das im Holz gespeicherte CO2 auch erstmal vor Ort gebunden. Aber ein Baum erreicht auch natürlicherweise nur ein bestimmtes Alter, im Falle der Birke durchschnittlich etwa 80 Jahre. Und das Holz wird nach dem Absterben langsam aber sicher zersetzt, bietet dabei wieder Lebensraum für darauf spezialisierte Arten. Dabei wird das darin gebundene CO2 natürlicherweise wieder frei gesetzt. Es gelangt in die Atmosphäre und wird einfach verlagert: in den Boden oder in andere Organismen. Es ist seit Jahrmillionen nie anders gewesen, dass Holzgewächse Kohlenstoff über einen bestimmten Zeitraum speichern, ihn aber irgendwann auch wieder abgeben. Das Problem der Klimakrise besteht darin, dass die Industrienationen in kürzester Zeit unfassbare Mengen von Kohlenstoff frei gesetzt haben, die in Jahrmillionen entstanden sind und von Natur aus unter der Erde, unter Wasser oder im Eis eingeschlossen waren.